PSD Zinskommentar - Die Zinsentwicklung im Vergleich

Prof. Dr. Klaus Fleischer, Hochschule München, weist langjährige Erfahrung u. a. auf dem Gebiet der Immobilienfinanzierung auf.

Sein Kompetenzfeld umfasst vor allem aktuelle Veränderungen und deren Folgen im Immobiliensektor.

 

Prof. Dr. Klaus Fleischer

Platzen der Jamaika-Verhandlungen bringt Verunsicherung. Bauzinsen trotzen aber der angekündigten Verringerung des EZB Anleiheprogramms

Trotz solider Konjunkturdaten aus der Eurozone und einem unerwartet starken Wirtschaftswachstum in Deutschland bleibt die Stimmung auf den Kapitalmärkten angespannt. Verantwortlich hierfür sind neben den nicht enden wollenden geopolitischen Spannungen in Fernost auch die Ungewissheit der politischen Entwicklung in Deutschland nach dem Platzen der Jamaika-Koalitionsverhandlungen. Das Ringen um eine tragfähige Regierung bereitet der Wirtschaft Sorge um die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland.
Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht derzeit keine Gefahr einer aufkommenden Rezession. Sie misst der Inflationsentwicklung neuerdings geringere Bedeutung zu. Die hat sich trotz anhaltender Geldflut seitens der Notenbank in der Eurozone leicht abgeschwächt. So legten die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr lediglich um 1,4 Prozent zu und liegen derzeit deutlich unter der Zielmarke von zwei Prozent, die von der EZB als ideal für die Wirtschaftsentwicklung angesehen wird.
Trotz nachhaltiger wirtschaftlicher Gesundung der EU verlängerte der EZB-Rat in seiner jüngsten Sitzung dennoch sein ohnehin stark umstrittenes Wertpapierkaufprogramm über Ende 2017 hinaus bis September 2018. Das Ergebnis ein um die Hälfte reduziertes monatliches Kaufvolumen von 60 auf 30 Mrd. Euro überzeugt die Kapitalmärkte kaum. Nach wie vor fehlt ein klares Signal der EZB für ein definitives Ende ihrer Anleihekäufe, verbunden mit einer Abkehr ihrer ultrabilligen Geldpolitik und Verabschiedung von Negativzinsen.
Das beharrliche Zögern der EZB steht in offener Kritik und im Widerspruch zur Geldpolitik der wichtigsten Wirtschaftsmacht der US-Notenbank Fed. Während der Euroraum nach Auslaufen des Anleihekaufprogramms aller Voraussicht nach auf unbestimmte Dauer weiter am Nullzinsniveau festhalten dürfte, ist in den USA bereits im Dezember mit einer weiteren kleinen Leitzinserhöhung zu rechnen. In weiteren Schritten ist bis Ende 2018 ein Anstieg auf um die 2 Prozent wahrscheinlich. Die Vergrößerung der Zinsdifferenz zu Europa dürfte zu einem verstärkten Kapitalzufluss in die USA führen, was unberechenbare Belastungen für die Eurozone mit sich bringen dürfte. Gespannt verfolgen Experten deshalb die Entwicklung der Bundesrenditen, die häufig der Geldpolitik der EZB vorauseilen. Sie beeinflussen maßgeblich die Bauzinsen. Dem Trend eines leichten Anstieges der Bundesrenditen konnten sie sich erfolgreich entziehen. Die Bauzinsen konnten sich sogar marginal verbessern.

Zinsentwicklung

Die Konditionen für Baugeld konnten sich über alle Laufzeiten leicht verbessern. Baudarlehen mit fünfjähriger Bindungsfrist liegen aktuell im Schnitt bei 1,05% (Vormonat 1,07%). Etwas stärker fallen die Abschläge bei den längeren Laufzeiten aus. 10-jähriges Baugeld ist für 1,31% (1,35%) und die Langläufer 15 Jahre zu 1,81% (1,85%) beziehungsweise 20 Jahre zu 2,09% (2,13%) zu bekommen.

Fazit

Das gegenwärtige Marktumfeld verspricht weiterhin sehr niedrige Bauzinsen. Sie können allerdings nicht den von Experten erwarteten Preisanstieg kompensieren, der für die nächsten Jahre noch erwartet wird. Voraussichtlich erst im Jahr 2020 kann frühestens mit einer leichten Marktbereinigung gerechnet werden. So dürfte dann voraussichtlich die eine oder andere Überbewertung im Markt vor allem die explosionsartig gestiegenen Preise in Top-City-Lagen aber auch in Ballungsräumen korrigiert werden. Abzuwarten bleibt allerdings, ob es der neuen Bundesregierung gelingt für eine merklich rasch greifende Angebotserweiterung zu sorgen und wie sich der demographische Faktor bemerkbar macht. Gegenwärtig stärkt ein deutlich geringeres Wachstum bei Neuabschlüssen von Baudarlehen die Verhandlungsposition der Immobilieninteressenten, vorausgesetzt sie weisen eine gute Bonität mit geringen Risikofaktoren auf. So gilt es bei guter Marktlage den Verhandlungsspielraum nicht nur zur Erzielung niedriger Darlehenszinsen zu nutzen, sondern sich auch die Möglichkeit von Sondertilgungen und Tilgungsänderungen über die Vertragszeit hinweg zu sichern. Oberstes Gebot bleibt aber das Einhalten einer realistischen monatlichen Kreditbelastung verbunden mit Tilgungsrate um die 3 Prozent bei gleichzeitiger Wahl langer Zinsfestschreibungen.

Unsere aktuellen Konditionen

 Sollzinsbindung gebundener Sollzinssatz p. a.  effektiver Jahreszins
10 Jahre 1,0 %   1,02 %

Sollzins 1,05 %        Effektivzins 1,07 %
Gültig für Finanzierungen ab 100.000,00 Euro und max. 70 % des Kaufpreises/Herstellungskosten. Höhere Beleihung mit Sollzinsaufschlag möglich. Bereitstellungszinsfreie Zeit: 12 Monate, ab dem 13. Monat 0,25 % pro Monat auf den nicht ausgezahlten Nettodarlehensbetrag.
Beispielrechnung :
Nettodarlehenssumme: 100.000 Euro, Sollzinsbindung: 10 Jahre, Empfang (Auszahlung): 100 %, Tilgung: 2 % p.a., gebundener Sollzinssatz :  1,05 %, effektiver Jahreszins : 1,07 % (berechnet auf die Vertragslaufzeit inkl. Grundbuchkosten für die Neueintragung des Grundpfandrechtes), anfängliche monatliche Teilzahlung: 254,17 Euro, Laufzeit: 40 Jahre und 3 Monate, Ratenzahlungen: 483, zu zahlender Gesamtbetrag: 122.905,60 Euro  (die angegebene Laufzeit unterstellt, dass der Sollzinssatz auch nach Ablauf der Sollzinsbindung unverändert bleibt). Das Verbraucherdarlehen wird durch ein Grundpfandrecht in gleicher Höhe besichert.

Sollzinsen freibleibend, gültig ab 12.04.2017

Hier finden Sie weitere Informationen zum EURIBOR, welcher als Referenzzinssatz für veränderliche Darlehen herangezogen wird.